Mittwoch, 15. August 2012
Vater und Sohn
Bis heute kann ich meinen Geschwistern nicht ins Gesicht sehen. Ich halte es nicht länger als einen Abend mit ihnen aus. Es schnürt mir den Hals zusammen, wenn ich die Stimme meines Bruders höre. Er, der meinem Vater so oft die Stirn geboten hat. Er hatte nie eine Chance. Er hat nie aufgegeben. Ich stand nur da und habe nie ein Wort gesagt. Wir wussten alle wie es ausgehen würde. Wir hatten es schon so oft miterlebt.
Meine Mutter, die resigniert, meine Schwestern, die in ihrem Zimmer sitzen und keinen Mucks von sich geben, weil sie sonst die nächsten sind. Mein Bruder, der meinem Vater in die Augen sieht. Mein Vater, der seine Adilette nimmt. Und ich. Ich stehe da und sage nichts. In mir schreit es, ich soll dazwischen gehen. Die Polizei rufen. Die Nachbarn. Aber was soll ich denen sagen? Mein Vater bestraft meinen Bruder? Na und? Es gibt kein Gesetz, das es verbietet, das hat uns mein Vater oft genug gesagt.

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