Freitag, 17. August 2012
Ferien
Ich weiss noch, wie wir einmal in den Ferien in Dänemark waren. Mit dem Wohnwagen. Für eine Familie, in der sich ständig alle streiten reicht schon ein riesiges Haus nicht, wie sollte das dann in einem Wohnwagen gehen?
Ich weiss nicht mehr genau, was passiert ist, auf jeden Fall dachte mein Vater mal wieder, dass es an der Zeit wäre, meinen Bruder zu bestrafen. Er hob also das T-Shirt meines Bruders an und lässt seine Rechte mit voller Wucht auf den Rücken meines Bruders klatschen. Der ganze Campingplatz kann es hören. Am Abend, nach dem Essen, schleift mein Vater meinen Bruder in den Wohnwagen, hebt das T-Shirt und zeigt meiner Mutter stolz und lachend, dass man seinen Handabdruck immer noch auf dem Rücken meines Bruders erkennen kann. Mein Bruder steht da, gebückt, mit abwesendem Blick. Mir wird jetzt noch regelmässig schlecht, wenn ich an die Szene denke.

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Mittwoch, 15. August 2012
Vater und Sohn
Bis heute kann ich meinen Geschwistern nicht ins Gesicht sehen. Ich halte es nicht länger als einen Abend mit ihnen aus. Es schnürt mir den Hals zusammen, wenn ich die Stimme meines Bruders höre. Er, der meinem Vater so oft die Stirn geboten hat. Er hatte nie eine Chance. Er hat nie aufgegeben. Ich stand nur da und habe nie ein Wort gesagt. Wir wussten alle wie es ausgehen würde. Wir hatten es schon so oft miterlebt.
Meine Mutter, die resigniert, meine Schwestern, die in ihrem Zimmer sitzen und keinen Mucks von sich geben, weil sie sonst die nächsten sind. Mein Bruder, der meinem Vater in die Augen sieht. Mein Vater, der seine Adilette nimmt. Und ich. Ich stehe da und sage nichts. In mir schreit es, ich soll dazwischen gehen. Die Polizei rufen. Die Nachbarn. Aber was soll ich denen sagen? Mein Vater bestraft meinen Bruder? Na und? Es gibt kein Gesetz, das es verbietet, das hat uns mein Vater oft genug gesagt.

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Dienstag, 14. August 2012
Immer noch kein Titel...
Ich fühle mich schuldig, weil ich nichts getan habe für meine Geschwister. Ich habe alles mitbekommen. Jedes Wort, jeden Schlag, jedes Reissen, Zerren, Kratzen, Werfen, Gegen-die-Wand-Klatschen. Gehört, gesehen, gespürt. Ich konnte nicht wegsehen, ich konnte nicht wegrennen. Er wollte, dass wir alle es mitbekommen. Ich habe mir jedesmal gewünscht, er würde nicht meinen Bruder oder eine meiner Schwestern schlagen, sondern mich.

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